Donnerstag, 24. November 2016

Wie der Nikolaus zu seinem roten Mantel kam

Alle Kinder wissen es – der Nikolaus kommt im Dezember und bringt ihnen die Geschenke, die sie auf einem Wunschzettel vorher aufgeschrieben haben. Zumindest hoffen sie das.

Eine lange Reise hat der Nikolaus jedes Jahr vor sich, wenn er es schaffen will, alle Kinder zu bedenken.

Von Jahr zu Jahr wurden es mehr, seitdem Nikolaus, der als Bischof von Myra knapp 400 Jahre nach Christi Geburt die Erde verließ, in den Himmel schwebte, um von dort aus weiterhin seine spendablen Werke zu tun.


In der ersten Zeit reiste er mit einem dicken weißen Mantel, denn er musste die kalten Winter des Nordens ertragen, während er vom Himmel aus über die Häuser schwebte und die Geschenke in die Schornsteine der Kamine fallen ließ. Selten hat ihn ein Kind gesehen, denn in den schneereichen, kalten Wintern des Nordens war er mit seinem Mantel gut getarnt. Dies war sehr wichtig für ihn, denn er ist ja ein himmlischer Heiliger und sein Zauber besteht ja gerade in seiner Unsichtbarkeit.

Vom kalten Russland über Skandinavien, ja über ganz Nordeuropa und besonders über die Niederlande, wo man ihn seit dem ersten Erscheinen Sinterklaas nennt, suchte er sich seinen Weg weiter nach Amerika, wo man die Legende erzählt, es habe dort einen Getränkebetrieb gegeben, der zu Werbezwecken den Gabenbringer in einem leuchtend-roten Anzug darstellte.

Dies allerdings ist ein weit verbreitetes Gerücht.

Wie es wirklich zu dem roten Anzug kam, will ich euch heute erzählen.

Als Nikolaus seine Wege im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte immer mehr nach Westen ausweitete und seine Himmelsreise sogar bis nach Amerika ausdehnte, musste er schon sehr früh mit dem Verteilen der Geschenke beginnen. Niemals hätte er seine Aufgabe in der kurzen Zeit eines Dezembermonats geschafft. So kreuzte er auf seinem himmlischen Kalender bereits die letzten Novembertage als Reisetage an. 

Allerdings hatte das eine unvorhersehbare Folge. Im November lag die amerikanische Landschaft noch nicht unter Eis und Schnee. Der Klimawandel hatte mit der Zeit den Wintereinbruch verzögert und die Gefahr, von den Menschen gesehen zu werden, wuchs für Nikolaus immens. Der weiße Hintergrund, vor dem sich sein Mantel hätte tarnen können, war schlichtweg nicht vorhanden.

Aber bald bot sich eine Lösung an.


Als der in Amerika Santa Claus genannte Nikolaus eines Morgens gerade die letzte Kurve Richtung Himmel nahm, weil die Sonne schon über den Horizont blitzte, sah er in einem Garten den in Amerika beheimateten Amberbaum stehen. Es handelte sich um ein besonders schönes Exemplar. Seine Blätter hatten sich zum Herbst hin leuchtend rot gefärbt und Väterchen Frost hatte eine weiße Puschelbordüre an die Blattränder gezaubert. 



Santa Claus war verzückt. So etwas Schönes hatte er noch nie gesehen!


Als er weiter seine Runden zog, entdeckte er ganze Haine mit Amberbäumen, Haine, die schon ihr leuchtendes Rot entwickelt hatten. Santa Claus kam ganz plötzlich die Idee, die Wichtel in seiner Himmelswerkstatt zu bitten, ihm einen so roten Mantel zu nähen, einen mit einem weißen Puschelrand – das müsste ihn doch wieder unsichtbar machen, wenn er zu so früher Zeit über das Land ritte.

So kam es, dass er sich in der himmlischen Werkstatt einen Anzug schneidern ließ – dieses Mal aus rotem Stoff mit einem weißen Pelzrand. 

So kennt Ihr ihn alle - den Nikolaus:

genehmigt durch Angela Keinert

Dieser Anzug trug nun  die Farbe der Liebe und Santa Claus wunderte sich, dass er überhaupt so lange Zeit mit einem weißen Mantel über die Welt geritten war. Er behielt seitdem die Farbe bei und scheut sich inzwischen auch nicht mehr, überall dort, wo Menschen leben, mitten in Menschenmengen zu erscheinen und Geschenke zu verteilen. In vielen Häusern stellt er sich zur Weihnachtszeit sogar persönlich vor und erzählt, wie er von seinem Pferd zu einer Rentierherde umgestiegen ist. Zu lang sind seine himmlischen Reisen inzwischen geworden und zu viele Geschenke muss er transportieren. So hat er in Skandinavien einige Rentiere angeheuert, die dem eisigen Winter in luftigen Höhen viel besser standhalten als ein Pferd. 

© UNik 2016-11-24


Sonntag, 13. November 2016

Kreislauf des Seins



Müde legt ihr euch zur Ruh,
kristallene Kälte deckt euch zu.
Mit leisezartem glasigem Ton 
fielt ihr herab vom Sommerthron.
Nun greift der Winter euer Leben,
wird euch zu neuen Stoffen weben,
aus denen dann im jungen Mai
dem Baum ein frisches Kleid gedeih.
So seid ihr Teil der Ewigkeit,
wandelndes Leben für alle Zeit. 

(C) UNik 11/2016



Dieses Gedicht schrieb ich, nachdem der erste Frost des Herbstes 2016 in unseren Garten eingezogen war. Beim Aufsteigen der Sonne ging ich durch den überzuckerten Garten und entdeckte viele kleine Frostkunstwerke der Natur. In weiteren Posts werden noch mehr folgen.

Donnerstag, 10. November 2016

Abschied nehmen

Sommer 2016 ...

noch ein letztes Mal winkst du uns zu,
fröhlich flattert dein im Sterben gespeichertes Sonnengelb 
vor neblig verhülltem Himmelblau.

Es lässt sich rütteln vom Wind des Herbstes,
bis es kraftlos nachgibt
und auf den Wehen der Veränderung
ergeben zu Boden taumelt.

Kirschbaum

Sommer 2016 ...

im feurig leuchtenden Rot erstirbt deine Kraft,
entringt uns noch ein letztes Aufseufzen,
das doch eher von Traurigkeit als von Freude singt.

Im Aufflackern deines blutroten Leuchtens 
wird all unser sommerliches Erleben 
in den weißen Winter hinein verebben,
bis du im nächsten Frühjahr in verletzlich winzigen Keimen
uns das Versprechen eines neuen Sommers schenkst.

Amerikanischer Amberbaum

Donnerstag, 23. Juni 2016

Spaziergang im Cafégarten

In Detmold gibt es ein historisches Café mit einem wunderschönen Garten. Es ist das Café Gugelhupf. Man findet dort an einem heißen Sommertag wie heute schattige und auch sonnige Plätze. Aus diesem Garten, der mit sehr viel Liebe gestaltet wurde und in dem ich lauter nette Details entdeckte, möchte ich ein paar Ausschnitte zeigen. Ein Gartenspaziergang der besonderen ART!


Ich sitze angenehm schattig auf einer Bank unter Efeuranken und blicke geradeaus. Dort hat der Cafébesitzer interessante Topfhalterungen angebracht.





Das interessiert mich ... ich gehe näher heran. Ringe aus grob geschmiedetem Eisen, sehr stabil, aber auch sehr individuell. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Von der Inhaberin des Cafés erfahre ich, dass das Schmieden von Eisen wohl ein besonderes Talent des Besitzers ist. Dieses zieht sich durch den ganzen Garten. Überall sieht man geschmiedetes Eisen. Es fügt sich harmonisch zum Gartenmobiliar. 



Die Bepflanzung dieser Töpfe, die in der vollen Sonne hängen, erfordern nicht ein ständiges Hab-Acht der Inhaberin, die den Garten pflegt, denn Semperviven (Immerlebende) - so sagt es schon ihr Name - vertragen auch mal Trockenheit. Und wie wunderschön zart sie blühen! Lauter kleine Prinzessinnenkrönchen ...



Mein Blick - farblich reduziert auf Rot- und Gelbtöne - wandert nach oben. Auch das Haus wurde mit leuchtend roten Geranien geschmückt. 



In lauschigen Eckchen sitzt man zwischen Rosen und Koniferen und lässt sich den Eiskaffee schmecken. Über einem der Sitzplätze rankt maigrüner Wein ...



... und sucht mit spiraligen Tentakeln nach Halt.



Noch einmal reduziere ich meine Farbwahrnehmung - dieses Mal auf Blau. Denn eine leuchtend blaue Kugel liegt neben einem Terrakottatopf. So als ob sie nur ein wenig hervorschaute und sagte: "Kuckuck, da bin ich!"



Heute korrespondiert sie mit dem azurblauen Himmel. Dazwischen erscheint mir alles Grau in Grau, wenn ich Kugel und Himmel als Spannungspunkte betone.



Und so ist die Kugel in die Farbigkeit der Umgebung eingebettet:





Im hinteren Teil des Gartens entdecke ich eine rosa-grün blühende Hortensie, die durch die Schattenspiele der darüber wachsenden Pflanzen noch eine zusätzliche lebendige Komponente erfährt. Natürlich trägt der Wind im bewegten Bild noch sein Teil dazu bei.




Kleine Lichtinseln hier und da lassen den Eindruck entstehen, als ob ein paar Blütenrosetten sich keck aus ihrer Gemeinschaft hervortun möchten:





In einem anderen Winkel des Gartens wurde eine Mauerecke errichtet, die den Cafébesucher gefühlsmäßig in ein altes französisches Dorf versetzt, in dem man bei sommerlicher Hitze ein angenehm kühles Schattenplätzchen gefunden hat. Am liebsten möchte man durch das Fenster nach drinnen schauen ... na, sitzt da jemand?



Hier vereinen sich das ständige Werden und Vergehen in einer knackigen Geranie. 



Nach einem Einkauf in der schönen Detmolder Innenstadt mit ihren kleinen Gässchen und den Fachwerkhäusern darin lässt es sich hier herrlich entspannen!

Donnerstag, 14. April 2016

Blumen und Engel gehören zusammen

Unter


habe ich einen kleinen Videofilm zum Anschauen hochgeladen.

Viel Freude damit!


Die Fotos entstanden mit meinem Smartphone und wurden auch damit bearbeitet.

Mittwoch, 13. April 2016

Frühling, Du hast mich geküsst!

Da ist sie wieder, die strömende, fließende, alle Zellen erwärmende Gartenfreude! Ausgelöst wird sie spätestens dann, wenn die Schönsten des frühen Jahres, die in sich selbst Verliebten, die narzisstischsten aller Gartenblumen, ihre Schönheit aus noch geheimnisvoll verbergender Knospe entlassen und mir in Augen und Seele springen. 


Ich fühle mich wie frisch verliebt, habe Schmetterlinge im Bauch und Düfte unter der Nase, denn es gibt auch die (manchmal fast schon zu aufdringlich) duftenden Sorten der narzisstischen Narzisse.

In meiner Seele spricht sie in verführerischen Tönen, lockt mich täglich in den Garten, wenn sie bei einem flüchtigen Blick von mir nach draußen meinen Blick einfängt.

Da ... schaut her! Auch Euch möchte sie teilhaben lassen an ihrer Eleganz, ihrem zarten Gelb und Weiß, wie Vanillepudding anmutend, in Glocken, deren Bau uns einfach nur staunen lässt ob ihrer Perfektion.


Wie ist das Glöckchen nur an die Blütenblättchen angebracht?, möchte man fragen. Es gibt keine Löt-, keine Klebestelle. Nur eine schöpferisch-perfekte Verbindung. Brahma, der Schöpfergott, hat das feine Gebilde erschaffen, Vishnu, der Erhalter, möge dafür sorgen, dass die Pracht nicht allzu schnell vergeht, bevor Shiva die Blüte ins Welken überführt und so Platz für Neues schafft. Für einen dicken Knoten, aus dem sich dann Samen entwickeln können. Nicht in meinem Garten, wo ich dies nur in Ausnahmefällen zulasse, denn die Samenbildung schwächt das Zwiebelwachstum bis zum nächsten Frühjahr. Und doch soll auch dieser Weg der Vermehrung über Samen einen kleinen Raum im Garten erhalten. Dafür bin ich einfach immer wieder zu neugierig. 

Weitere Schönheiten wollen sich noch zeigen ... nun, meines Herzens Freude wird nun schweigen und Euch schauen lassen. Lasst Euch ebenso Schmetterlinge in den Bauch flattern und genießt:

Osterglocke

Elca (?)

Rip van Winkle

Ice Follies 

Juanita (?)

in Tönen
gehören einfach dazu

Freitag, 18. März 2016

Blumengeflüster nach Beetgeflüster

Eine Freundin lieh mir ein Buch aus - ein kostbares Kleinod  (sowohl Freundin wie auch ihr Buch) - und ich war sogleich vernarrt in den Stil des Autors, nimmt er doch diesen liebenswerten Innenkontakt mit all seinen Schützlingen auf - spricht mit ihnen, lässt sich von ihnen ansprechen. Genau so, wie auch ich dies oft tue.

Jens F. Meyer - so der Name des Hagophilen (nein, ich habe mich nicht verschrieben - es geht nicht um einen Menschen, der eine salzreiche Umgebung* bevorzugt, wohl aber einen, der gartenverliebt ist) - dieser Herr Meyer nennt sein Buch "Beetgeflüster" (Verlag CW Niemeyer, Hameln 2015). Die Assoziation zu "Bettgeflüster" ließ mich beim ersten Blick auf den Titel auch gleich zum Lästergeniker - hoppala ... Legastheniker mutieren. Als ich dann aber die wahre Absicht des auf dem Titel auf riesigen Gummistiefeln hockenden Gartenliebhabers erkannte, spürte ich bereits eine Art seelischer Nähe, die sich möglicherweise bei Menschen mit grünem Daumen sehr schnell, quasi wie eine Schwingungsbrücke, einstellt. Man versteht sich ... 

Nach einem kurzen Vorwort über BOMBUS, die dicke Hummel, die endlich in sein Gartenhotel eingezogen ist und einem Gedicht über die im Winter nachempfundenen Gefühle einer am Fenster stehenden Zimmerpflanze erzählt der Autor von seinen Gedanken, die ihm sein Geldbaum entwindet. Ob der im Gegenzug die Gedanken hören kann??? Hoffentlich nicht ...

Ah ... Geldbaum!, dachte ich und fragte meine Mitbewohner dieser Gattung, wie es ihnen denn so bei mir gehe und ich war freudig überrascht, so viel Gutes zu erfahren.

Herr Meyer nämlich hat offensichtlich ein sehr gespaltenes Verhältnis zu dem Gewächs, von dem man sagt, es stehe symbolisch für immer genug Geld im Hause. Na dann ... sollte man es doch auch gut pflegen, oder? In dem Punkt komme ich mit Herrn Meyer nicht auf einen Nenner. Er nämlich (Kleinzitat:) "findet nichts Gutes an dem ollen Geldbaum, schleppt ihn im Oktober auch wieder ins Haus, damit er im Winter nicht erfriert". Am Ende nennt er ihn dann doch "einen ziemlich besten Freund".

Nun, auch meine Geldbäume verreisen zum Jahreszeitenwechsel, aber wohl mit anderer Zielsetzung. Nicht, damit sie draußen - als wenig geliebte Wesen - zugrunde gehen, sondern vielmehr, damit sie im Sommer mehr von dem erleben, was ihrer Gattung von Natur aus gut tut: Sonnenschein und Wärme - für die Trockenheit muss ich dann von Fall zu Fall sorgen, sie unter Dach ziehen, wenn der Regen sie zu ertränken droht.

Was nun meine Geldbäume (und beste Freunde) selbst zu sagen habe, mögen die folgenden Bilder erzählen:

Geldbaum neben Gras und einem kleinen dickblättrigen Artverwandten - zudem mit Blick auf ein Aquarell - auch Blumen sollen es doch schön haben (ha ha ... nein, ich selbst empfinde die Kombination von Pflanze und Kunst als Seele nährende Wohnkomponente)

Zitat Meyer: Er will hell stehen, was ich ihm aber aus Platzgründen nicht anbieten kann.
Wie gut es doch meinem Geldbaum geht. Er lässt uns selbst mal durch seine Blattaugen erleben, woher er sein Licht bezieht - wie draußen - von oben!

Noch ein guter Freund von mir - der Geldbaum am Küchenfenster. Der mich nun wieder an Meyers Gedicht "Die Blume am Fenster" denken lässt. Jene "saß gar nicht so ungern hinter Glas" beim Anblick der verschneiten Winterwelt, die sich ihr durchs Fenster darbot. Mein Geldbaum allerdings freut sich schon jetzt auf sein Sommerquartier. Den Grund kann man im Hintergund erkennen ...

... Augenblick mal ... Fokus ändern und durch des Geldbaums Augen "sehen": Krokusse locken mit frühlingsgelbem Zeigefinger: Komm, komm, die Sonne ist schon viel höher gestiegen. Auch die Narzissen flöten schon in ihrem selbstverliebten Tenor: Osternnahtosternnahtnarzissnarzissssssichbinsoschöööööööön!
Ich aber warne ihn: Du siehst es nicht, aber ich weiß den lockenden Ruf zu durchschauen. Zwiebelblumen trotzen den letzten Frostnächten des Winters. Lass dich von ihnen nicht verführen, denn sie sind nicht deinesgleichen.

So genießen beide, der Geldbaum (Crassula ovata) und sein Freund, das Rosettenbäumchen (Aeonium arboreum) so lange miteinander die schöne Aussicht, bis ich als Mensch ihnen beiden grünes Licht für die Aussiedlung gebe. Und während ich ihnen diesen Liebesdienst erweise, stärken sie mir zum Dank meine Rückenmuskeln. Denn was wir mit Liebe tun, tut uns nichts Böses.


*Salz liebende Organismen nennt man halophil